Es ist einiges gesprochen oder gesagt worden, zum Tod meines Vaters, doch all diese Worte zählen nicht, denn es sind einzig und alleine die Gefühle die zählen. 

Die Gefühle die man einem Menschen entgegenbringt der nicht mehr lebt, mit dem man nicht mehr sprechen kann, in dessen Augen man nicht mehr blicken kann, es sind genau diejenigen Gefühle die einen heimsuchen wenn man mit sich alleine ist, immer dann wenn der Verlust plötzlich spürbar wird.

Ich spüre den Verlust, ich spüre die Leere die hinterlassen wurde, und diesen Schmerz den trage ich mit mir, er erfüllt mich mit der Gewissheit meinen Vater geliebt zu haben.

Mein ganzes Leben habe ich im vergangenen Jahr noch einmal durchlebt, den Teil meines Lebens der in Beziehung zu meinem Vater stand, da war so oft die Erkenntnis, daß vieles nicht gelebt wurde wie es hätte sein sollen, wie es hätte sein können, wie es  gut oder richtig oder wertvoll gewesen wäre, und das tut weh, wenn man sich eingestehen muß wertvolle Zeit verpasst zu haben. Jetzt wo er nicht mehr da ist, da sehe ich klarer und leide, so geht es mir.

Ich war stolz auf meinen Vater, ich wollte sein Wirken immer unterstützen, ihm darin nachfolgen, das war nicht immer so möglich wie ich es mir gewünscht habe, doch wenn ich zurückschaue, dann muss ich mir eingestehen, daß ich immer darauf gedrängt habe es zu tun. Und alleine das zählt für mich heute. Mein Vater war mir wichtig, ich war ein Teil von ihm, so wie es das Leben will, und ich weiß daß es umgekehrt genauso war.

Ich erinnere mich an einen frühen Morgen während meiner Kindheit, als mein Vater mich mitten in der Nacht sanft weckte, um mir die natürliche Schöpfung, die Natur zu offenbaren, es war an einem Morgen als er auf die Jagd ging. 

Wir fuhren damals im Dunkeln in den Wald hinein, gingen leise, geradezu heimlich zum Hochsitz.

Er hat dabei immerzu aus seiner Seele gesprochen, ganz leise, ehrfürchtig, voller Bewunderung, voller aufrichtiger und ehrlicher Liebe,  jedes seiner Worte spiegelte seine Hingabe, seine Leidenschaft, seine Faszination für die Natur, und letztendlich konnte man dabei eine große Ehrfurcht und Demut vor der natürlichen  Schöpfung spüren.

Noch am Tag vor seinem Tod waren wir im Wald und als er den Wald sah, da haben seine blauen Augen angefangen zu strahlen, zu leuchten, er hat in diesem Augenblick aufgelebt, in seiner ganzen Lebensfreude, so wie ich ihn geliebt, wie ich ihn verehrt habe, mit seiner ganzen Lebenskraft.

Seit dem Tod meines Vaters weiß ich was Trauer ist.

So soll seine Seele wieder dorthin gegangen sein wo sie herstammt, weitab der niederen Welten der Menschen, zurück zu einem Platz, den wir uns nicht einmal erträumen können, ähnlich diesem Leuchten, diesem Glanz in seinen Augen, einer besseren Welt. Seine Seele kam von diesem Ort ins Irdische, um zu erleiden wie tiefentwickelt wir Menschen sind, um zu erleiden wie sehr wir den Respekt vor all den Geschöpfen und Wesen der natürlichen Schöpfung unseres wunderschönen Planeten Erde verloren haben, um uns zu zeigen was wir damit verloren haben, welchen äußeren Reichtum wir damit vernachlässigen, nicht beachten, mit Füßen treten, zerstören. 

Seine Seele kam ins Irdische um am Ende wieder dorthin zurückzukehren wo sie herstammt, an einen Platz den wir uns in seiner wohltuenden Erlösung nicht vorstellen können, er übersteigt unsere menschlichen Geisteskräfte. 

Mein Vater ist  zurückgekehrt in die geistige Sphäre seines Wesens, in der er all seine Seelenwünsche leben kann, befreit und erlöst von der Fehlbarkeit des Menschseins. 

Er starb mit einer tiefgehenden Botschaft, einer Botschaft wie sie härter und leidvoller hätte nicht sein können, so hat er uns zurückgelassen, im Leben.

Zu trauern heißt dem Verstorbenen die Liebe einzugestehen.
 

Einer 
der Söhne
 
 

Das Credo 
meines Vaters ...

Manfred Endres zog es nach Alaska und Kanada, sozusagen Nordamerika, aber auch in Deutschland im Saarland bei Ottweiler lebte er, im Hochwald und Hunsrück, die Trompete war sein Handwerk, als Trompeter und Kammermusiker im Staatstheater, aber auch als Dozent in der Musikhochschule zu Saarbrücken, anders Saarbruecken, wie auch im Barockensemble des Theaters, mit Konzerten in der Basilika, als  Dirigent der Trachtenkapelle Gronig war er tätig, und als gleicher bei der Bergkapelle Mitte der Saarbergwerke, bei Saarberg, und auch im Musikverein zu Hüttigweiler dirigierte er, der Wald und das Forsthaus waren seine Vergangenheit, in Ausbildung auf der Forstschule im Hunsrück, im Hochwald, an der Mosel, später bei Neuhaus, dem Urwald im Saarforst, im Saarkohlewald, auf der ehemaligen Wantburg, dem Jagdschloß Philippsborn, einstmals Eigentum der Fürsten von Nassau, er war kurzläufig ein Beamter des Forst, im Staatsdienst, einst wollte er den Förster ausüben, bei Forstwirtschaft, Jagd und als Jäger, aber auch mit Jagdhorn und dem Jagdhornblasen, in Begleitung vom Jagdhund, oder seiner Jagdhunde, den Dackeln, der Wachtelhündin, im nächtlichen Ansitz, mit Hund, Mehrzahl die Hunde, er war tief im Instinkt und vom Herzen her ein Abenteurer der Wildnis, ein Berufener der Urnatur, ein Sensibler für den irdischen Ursprung unserer selbst, er suchte danach, im noch wilden Deutschen Wald, in Skandinavien, in Nordamerika, Kanada, dem Yukon und Alaska, die Wildnis Alaskas war sein Seelenspiegel, hier fand der alles was er sehnte, er war ein Botschafter für die Schönheit unseres wunderschönen Planeten Erde, in Respekt und Liebe sollen wir damit leben, um unseren Frieden zu finden, so war seine geistige Tugend, er hatte recht, mit alledem, er hatte viel mehr recht als er das je wußte